Exipnos stellt Werkstoff für biologisch abbaubare Shampooflaschen auf der Fakuma vor

Die Nagelprobe an der Blasformmaschine bestand das neue BIO-ELAN A 101 der Merseburger Exipnos GmbH mit Bravour: Experten der Firma Sauer aus Neustadt bei Coburg stellten aus dem bioabbaubaren PBS-Polymer ohne besonderen Aufwand Rundflaschen her. Exipnos präsentiert mit den gerade fertiggestellten Mustern auf der Fakuma ein erstes Resultat des erst im September gestarteten RUBIO-Projektes.

Merseburg, 13. Oktober 2021 Polybutylensuccinat (PBS) gehört bislang nicht gerade zu den Materialien, mit denen Blasformer gern und regelmäßig arbeiten. „Für uns ist PBS noch ziemlich exotisch“, gesteht Alexander Umlauf-Sauer, Vertriebsleiter der Sauer GmbH & Co KG. Was nicht nur an der bislang geringen Verfügbarkeit liege, sondern auch daran, dass der bioabbaubare Kunststoff gewöhnlich „nicht sehr schmelzestabil“ sei, so der Experte: „Wo sie nicht – wie zum Beispiel beim Spritzguss – in einem geschlossenen System gehalten wird, folgt PBS-Schmelze zu gern der Schwerkraft, was zu Materialabriss führt.“

 

Game-Changer mit weicher Haptik

BIO-ELAN A 101 der Merseburger Firma Exipnos entpuppte sich nun als Game-Changer: Das PBS-Polymer mit einem Schmelzindex (MFI) von 1 g/10min ließ sich „an der Blasformmaschine problemlos zu Rundflaschen verarbeiten“, wie Umlauf-Sauer lobt: „Das Endprodukt ist weich und von der Haptik eher mit LDPE als mit HDPE zu vergleichen.“ Die Flaschen eigneten sich zum Beispiel „als Einwegbehältnis für Shampoo oder Sonnenmilch, aber auch für mehrfach nutzbare Artikel wie Fahrradtrinkflaschen“.

Der neue Werkstoff und die daraus hergestellten Muster sind erste Resultate des im September gestarteten „Regionalen unternehmerischen Bündnisses zum Aufbau von Wertschöpfungsketten für technische Biokunststoffe in Mitteldeutschland - RUBIO“. Das unter der Regie von Exipnos stehende Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 12 Millionen Euro gefördert. Weitere fünf Millionen Euro investieren die 18 beteiligten Firmen und Forschungseinrichtungen, zu denen auch die Sauer GmbH & Co. KG aus Neustadt bei Coburg gehört.

 

Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten

 „Das Ziel von RUBIO ist es, in drei bis fünf Jahren eine vollständige Wertschöpfungskette für biobasiertes PBS aufzubauen, das neue Material hier im Mitteldeutschen Braunkohlerevier zu produzieren und so den eingeleiteten Strukturwandel mitzugestalten“, erklärt Exipnos-Geschäftsführer Peter Putsch. Die Voraussetzungen dafür seien exzellent: „Die erforderlichen Fachleute gibt es in und um das Mitteldeutsche Chemiedreieck bereits“, schwärmt der Mitinitiator des Bündnisses. Biotechnologen, die den PBS-Grundstoff Bernsteinsäure mit Hilfe von Mikroorganismen aus Gärabfällen und Holzresten herstellen können, arbeiten bei RUBIO mit „erfahrenen Anlagenbauern, Compoundeuren, Verarbeitern, Produktentwicklern und Recyclingprofis zusammen“.

 

Vorbote weiterer Innovationen

Nach dem offiziellen Arbeitsauftakt im September wird in fünf Verbundprojekten bereits intensiv geforscht. Die Entwicklung von Produktions- und Verarbeitungsverfahren verknüpfen die beteiligten Partner dabei mit systematischen Materialstudien. „Wir möchten eine ganze Familie von Bio-PBS-Polymeren schaffen, die das Potenzial dieses Kunststoffes möglichst weit ausschöpft“, verrät Peter Putsch. Das avisierte Spektrum reiche „von Verpackungen über den Leichtbau bis hin zu technischen Textilien“. Die Flaschen aus BIO-ELAN A 101 auf der Fakuma seien insofern nur die Vorboten einer ganzen Reihe von Innovationen, die dank RUBIO in den nächsten zwei bis drei Jahren zu erwarten sind.

 

Weitere Informationen

über BIO-ELAN A 101, einschließlich Produktdatenblatt, finden Sie in unserem Produktbereich.